Ölmarkt vor Überangebot, Zollstreit und Wirtschaft unter Druck
Autor: Provimedia GmbH
Veröffentlicht:
Kategorie: News and Updates
Zusammenfassung: l- und Gaspreise könnten nach geopolitisch bedingten Engpässen wegen steigender Förderung und schwächerer Nachfrage deutlich fallen; zugleich sorgen Zollstreit, E-Auto-Restwerte und Risiken für Unsicherheit.
Ölmarkt: Experten erwarten nach dem Preisschock wieder ein Überangebot
Der Ölpreis ist laut T-Online zuletzt auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Hintergrund seien der Iran-Krieg, fest sitzende Tanker im Nahen Osten und die bereits angezapften Ölreserven.
Nach einer möglichen Öffnung der Straße von Hormus könnten laut Experten der US-Bank JP Morgan kurzfristig bis zu 60 Millionen Barrel auf den Markt kommen. Der Preis für Rohöl könnte dadurch auf 68 US-Dollar sinken. Zusätzlich belaste eine geringere Nachfrage aus China den Markt.
Die Internationale Energieagentur prognostizierte bereits im Juni für 2026 einen Überschuss von bis zu vier Millionen Barrel Öl pro Tag. Reuters rechnet spätestens 2027 mit einem Überangebot. Acht befragte Analysten erwarten für 2026 allerdings zunächst ein durchschnittliches Defizit von 1,5 Millionen Barrel pro Tag. In einer ähnlichen Umfrage im April waren es 750.000 Barrel pro Tag; vor dem Iran-Krieg hatten die Analysten für 2026 noch einen Überschuss von 1,63 Millionen Barrel pro Tag erwartet.
Für 2027 erwarten die Analysten laut Reuters einen Überschuss von 1,9 Millionen Barrel pro Tag. Als Gründe werden die Wiederaufnahme der Öltransporte durch die Straße von Hormus, eine höhere OPEC-Produktion sowie eine steigende Förderung in den USA und Südamerika genannt. Reuters und HSBC rechnen zudem damit, dass die Nachfrage aus China wegen zunehmender Elektrifizierung und der Nutzung anderer Energiequellen niedriger bleiben wird.
„Dieser Markt hat sich schnell von der Angst vor einer Verknappung hin zum Risiko eines Überangebots gewandelt“, sagte Phil Flynn, Senior-Analyst bei der Price Futures Group, laut T-Online.
HSBC erwartet, dass die weltweiten Ölvorräte bis zum Ende des ersten Quartals 2027 wieder ihr Höchstniveau vom Februar 2026 erreichen könnten. Damit würden die Rückgänge von März bis zum Spätsommer 2026 vollständig ausgeglichen. Anschließend könnten die Vorräte weiter steigen und möglicherweise neue Rekordhöhen erreichen, die über dem Niveau der Pandemie im Jahr 2020 liegen.
Zusammenfassung: Kurzfristig sorgen Krieg und Transportprobleme für hohe Ölpreise. Für 2027 rechnen mehrere Analysten jedoch mit einem deutlichen Überangebot.
Öl und Gas: n-tv sieht trotz hoher Preise eine mögliche Schwemme
n-tv.de berichtet, dass Brent-Öl erneut die 100-Dollar-Marke überschritten habe und der Börsenpreis für Erdgas in Europa die Schwelle von 60 Euro erreicht habe. Auch die Großhandelspreise für Benzin, Diesel und Kerosin seien deutlich gestiegen, wodurch sich die Preise an deutschen Tankstellen wieder den Höchstständen vom Frühjahr näherten.
J.P. Morgan senkte seine Prognose für Brent-Rohöl im laufenden Quartal bis September von etwas mehr als 100 Dollar pro Fass auf 86 Dollar. Für das vierte Quartal erwarten die Experten einen Durchschnittspreis von 56 Dollar pro Fass. Das wäre laut n-tv der niedrigste Stand seit der Corona-Krise.
Die IEA prognostizierte im Juni für 2026 einen Überschuss von bis zu vier Millionen Fass Öl pro Tag. Das Angebot könnte steigen, weil die OPEC+ ihre bisherigen Produktionskürzungen abbaut und die USA, Guyana und Brasilien ihre Förderung erhöhen. Die Vereinigten Arabischen Emirate seien jüngst aus der OPEC+ ausgetreten, um ihre Exporte zu steigern.
Auf der Nachfrageseite geht die US-amerikanische Energiebehörde EIA laut n-tv davon aus, dass der weltweite Ölverbrauch in diesem Jahr im Schnitt um 1,2 Millionen Fass pro Tag sinken wird. Die Experten führen diesen Rückgang auf strukturelle Ursachen zurück, nicht allein auf die jüngsten Preissteigerungen.
„Der erste Überschuss wird im August entstehen, bei etwa 1,2 Millionen Fass pro Tag“, sagte Natasha Kaneva, leitende Analystin bei J.P. Morgan, laut n-tv.
Nach Kanevas Einschätzung könnte sich das Angebot aus dem Persischen Golf im Oktober auf 97 Prozent des Vorkriegsniveaus erholen und im November nahezu vollständig wiederhergestellt sein. Dieses Umfeld könne den Weg zurück zu einem Preisniveau von rund 60 Dollar pro Fass ebnen; ab der zweiten Hälfte des Jahres 2027 könnten die Preise in den unteren 60-Dollar-Bereich fallen.
Auch beim Gas erwartet n-tv eine zunehmende Angebotsfülle. Goldman Sachs prognostiziert, dass die weltweite Exportkapazität für Flüssigerdgas zwischen 2025 und 2030 um mehr als 50 Prozent steigen wird. Verantwortlich seien neue Projekte in den USA und Katar.
Gleichzeitig warnt der Bericht davor, sich auf ein kommendes Überangebot zu verlassen. Eine länger andauernde Blockade der Straße von Hormus oder der Meerenge Bab al-Mandab, ukrainische Angriffe oder neue Sanktionen könnten russische Öl- und Gasexporte dauerhaft einschränken.
„Das Überangebot hätte nur dann funktioniert, wenn alles perfekt gelaufen wäre“, schreibt der Rohstoffhändler Giacomo Prandelli laut n-tv. „Das war immer eine Illusion.“
Zusammenfassung: J.P. Morgan erwartet deutlich niedrigere Ölpreise, während Goldman Sachs mit stark steigenden LNG-Kapazitäten rechnet. Geopolitische Risiken machen diese Prognosen jedoch unsicher.
Bundesregierung fordert Einhaltung des EU-US-Zollabkommens
Angesichts neuer US-Zölle hat die Bundesregierung Washington aufgefordert, keine neue Unsicherheit in den transatlantischen Handelsbeziehungen zu schaffen. Nach Angaben des Deutschlandfunks erklärte ein Regierungssprecher gegenüber Reuters, man gehe ebenso wie die Europäische Kommission davon aus, dass die Vereinbarungen des EU-US-Zollabkommens eingehalten würden.
Der Deutschlandfunk nennt in diesem Zusammenhang Zölle in Höhe von zehn und 12,5 Prozent. Die Europäische Union übe ebenfalls Kritik an den neuen Maßnahmen der USA.
Im Mittelpunkt steht damit die Frage, ob die zwischen der EU und den USA getroffenen Vereinbarungen Bestand haben. Die Bundesregierung erwartet nach Angaben des Berichts, dass die bestehenden Absprachen eingehalten werden.
Infobox: Die Bundesregierung verlangt von den USA die Einhaltung des EU-US-Zollabkommens. Genannt werden Zölle in Höhe von zehn und 12,5 Prozent.
Schwarz-Gruppe bestellt vorerst keine neuen Elektro-Dienstwagen
Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, nimmt in Deutschland vorerst keine vollelektrischen Fahrzeuge mehr in Neubestellungen auf. Das berichtet WELT. Der Konzern begründet die Entscheidung mit der Volatilität auf dem Automobilmarkt und veränderten regulatorischen Rahmenbedingungen.
Elektroautos sind als Dienstwagen steuerlich begünstigt. Arbeitnehmer müssen laut WELT bei einem Elektroauto 0,25 Prozent des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern, bei einem Verbrenner sind es ein Prozent.
WELT nennt als Beispiel einen Dienstwagen mit einem Listenpreis von 60.000 Euro. Bei einem Verbrenner müssten monatlich zusätzlich zum Gehalt 600 Euro versteuert werden, bei einem Batterieauto 150 Euro.
Die Schwarz-Gruppe unterscheidet sich von vielen anderen Konzernen dadurch, dass sie ihre Dienstwagen nicht least, sondern selbst kauft und anschließend als Gebrauchtwagen weiterverkauft. Nach Darstellung von WELT sind die Restwerte von Elektroautos auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt niedrig. Für den kostenbewussten Konzern sei der hohe Wertverlust zu groß.
Als Gründe für die schwache Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos nennt WELT den schnellen technischen Fortschritt. Fahrzeuge könnten bereits nach drei Jahren bei Reichweite, Ladedauer und Software veraltet wirken. Zudem fördere die Dienstwagenregelung die Nachfrage nach Neuwagen, während dieser Effekt bei Gebrauchtwagen nicht bestehe.
„Aufgrund der hiesigen Volatilität auf dem Automobilmarkt und veränderter regulatorischer Rahmenbedingungen haben wir uns entschieden, vollelektrische Fahrzeuge bei Neubestellungen vorerst nicht mehr aufzunehmen“, sagte ein Sprecher der Schwarz-Gruppe laut WELT.
Die Gruppe betont zugleich, dass die Entscheidung nicht als Abkehr vom Klimaschutz verstanden werden solle. In anderen europäischen Ländern setze sie weiterhin neue Elektrofahrzeuge ein. Als Alternativen in Deutschland nennt der Konzern Jobrad und Firmenticket.
Das globale Net-Zero-Ziel bis 2050 stehe fest, der Ausbau der Elektromobilität bleibe ein wichtiger Baustein. Die Entscheidung könne bei einer veränderten Marktlage revidiert werden.
Die Schwarz-Gruppe betreibt außerdem ein eigenes Netz von Ladestationen. Zum Ende des Geschäftsjahres 2025 standen laut WELT 24.024 E-Ladepunkte an 6973 Standorten zur Verfügung. Innerhalb der letzten fünf Jahre entspricht dies einer Steigerung von rund 245 Prozent.
Auch die Deutsche Bahn sieht die niedrigeren Restwerte von Elektrofahrzeugen als Herausforderung. Sie hält bislang dennoch nicht dazu an, die Beschaffung von Elektroautos zu überdenken, und bewertet ihre Fahrzeuge nach einer ganzheitlichen Betrachtung von Anforderungen, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeitsaspekten.
Zusammenfassung: Die Schwarz-Gruppe stoppt in Deutschland vorerst neue Elektro-Dienstwagenbestellungen. Ausschlaggebend sind vor allem niedrige Restwerte und der Wertverlust gebrauchter Elektroautos.
Russlands Wirtschaft: Kreml spricht von Stabilität, Analysen sehen wachsenden Druck
Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnet die Lage der russischen Volkswirtschaft und ihrer Schlüsselsektoren als stabil. Die Frankfurter Rundschau berichtet, dass Putin dabei vor allem die Energiewirtschaft hervorhebt und von externen Versuchen spricht, den Brennstoff- und Energiekomplex zu destabilisieren.
Gemeint sein dürften laut Bericht ukrainische Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur sowie Sanktionen westlicher Staaten. Externe Analysen zeichnen demnach ein deutlich angespannteres Bild. Das Kiel Institut für Weltwirtschaft spricht in einer Analyse der russischen Wirtschaft bereits vom „Endgame“.
Putin zufolge wies das russische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung im Mai ein Wachstum von 0,3 Prozent des BIPs aus. In den ersten fünf Monaten sei das BIP insgesamt um 0,2 Prozent gewachsen.
Das Kiel Institut kommt laut Frankfurter Rundschau zu einem anderen Ergebnis: Im ersten Quartal 2026 soll die russische Wirtschaft um 0,3 Prozent gesunken sein. Zugleich seien die Staatsausgaben im März um 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
Auch die Einnahmen aus der Energiewirtschaft stehen im Mittelpunkt des Berichts. Das Kiel Institut meldet für das erste Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Einbruch von 45 Prozent. Wegen anhaltender Drohnenattacken hätten einige Anlagen ihre exportbezogenen Raffineriekapazitäten um bis zu 40 Prozent drosseln müssen.
Analysen der Brüsseler Denkfabrik Bruegel zeigen laut Frankfurter Rundschau, dass Russland während des Iran-Kriegs wegen der höheren Weltmarktpreise zeitweise mehr Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und Gas erzielte. Im Jahresvergleich habe Russland jedoch weniger Geld aus Energieverkäufen eingenommen. Im ersten Halbjahr 2026 beliefen sich die Einnahmen demnach auf rund 3,66 Billionen Rubel, circa 41,2 Milliarden Euro.
Bruegel bewertet die Mehreinnahmen durch den Iran-Krieg und die gestiegenen Ölpreise als vorübergehende Umkehr des langfristigen Abwärtstrends. Sie verschafften dem russischen Staatshaushalt dennoch eine Entlastung und trügen zur Finanzierung des Kriegs gegen die Ukraine bei.
Putin verweist außerdem auf ein wachsendes Kreditportfolio der russischen Zentralbank. Zum 1. Juli sei die Geldmenge im Jahresvergleich um etwa 13 Prozent gestiegen. Ein europäischer Geheimdienstbericht wertet die stark gestiegenen Bankenkredite laut Frankfurter Rundschau dagegen als mögliches Zeichen einer drohenden Bankenkrise.
Nach Einschätzung der Autoren seien zehn Prozent der Kredite ausfallgefährdet. Russland-Experte Chris Weafer hält eine unmittelbare Finanzkrise hingegen für unwahrscheinlich. Seine Einschätzung lautet, Russlands Wirtschaft stagniere, doch wegen der staatlichen Dominanz und der hohen Verteidigungsausgaben gebe es keine unmittelbare Finanzkrise.
Die Frankfurter Rundschau berichtet zudem über mögliche Folgen für die Bevölkerung. Genannt werden Engpässe bei Lebensmitteln, eine sinkende Zahl verfügbarer Arbeitskräfte durch Mobilisierungen sowie Rationierungen bei Benzin und Diesel. Immer mehr Russinnen und Russen griffen außerdem auf Bargeld zurück, was die Staatseinnahmen zusätzlich belasten könne.
„Die Lage der Volkswirtschaft und ihren Schlüsselsektoren“ sei stabil, erklärte Wladimir Putin laut Frankfurter Rundschau.
Zusammenfassung: Putin stellt die russische Wirtschaft als stabil dar. Das Kiel Institut, Bruegel und ein europäischer Geheimdienstbericht verweisen dagegen auf sinkende Wirtschaftsleistung, rückläufige Energieeinnahmen und Risiken im Bankensektor.
Wirtschaftsupdate vom 24.07.2026
tagesschau.de veröffentlichte am 24.07.2026 ein Wirtschaftsupdate. In der Meldung werden die Themen Infrastruktur, Luftfahrt, Mehrwertsteuer, Betrug, Ölpreis und DAX genannt.
Der Beitrag ist als Nachrichten-Video ausgewiesen und enthält in den vorliegenden Inhalten keine weiteren nutzbaren Angaben zu den genannten Themen.
Infobox: Das Wirtschaftsupdate von tagesschau.de erschien am 24.07.2026 und nennt Infrastruktur, Luftfahrt, Mehrwertsteuer, Betrug, Ölpreis und DAX als Themen.
Quellen:
- Experten: Deshalb gibt es bald wieder Öl im Überfluss
- Wirtschaft - Bundesregierung zu neuen US-Zöllen: USA sollen Abkommen mit der EU einhalten
- Schwarz-Gruppe: Darum verbietet der Lidl-Konzern seinen Mitarbeitern neue Elektro-Dienstwagen
- Überangebot schon im August?: Hinter dem aktuellen Preis-Schock lauert eine Öl- und Gasschwemme
- Update Wirtschaft vom 24.07.2026
- Russlands Wirtschaft in der Krise: Putins Zahlenspiel – Was der Kreml verschweigt, wenn er von „Stabilität“ spricht