Russische Kapitalflucht erreicht Rekordwert – weitere Wirtschaftssorgen verschärfen sich

Autor: Provimedia GmbH

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Kategorie: News and Updates

Zusammenfassung: Russische Kapitalflucht und Goldverkäufe erreichen Rekordwerte, während Deutschland erneut Gasmangel befürchtet und die Ukraine strategische Infrastruktur in Russland angreift.

Russische Kapitalflucht erreicht historischen Höchststand

Die „graue“ Kapitalflucht aus Russland hat im zweiten Quartal einen historischen Rekordwert erreicht. Wie die WELT unter Berufung auf Daten der russischen Zentralbank berichtet, flossen in diesem Zeitraum 12,2 Milliarden Dollar aus dem Land ab.

Damit stieg die Kapitalflucht gegenüber dem ersten Quartal um 770 Prozent. Zugleich war dies der höchste Quartalswert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1994. Die Summe entsprach einem Zehntel der Exporteinnahmen von 125,7 Mrd. Dollar beziehungsweise einem Drittel des Handelsbilanzüberschusses von 38,3 Mrd. Dollar.

Die Zentralbank führt den Betrag als „statistische Abweichung“ und ordnet ihn den „reinen Fehlern und Lücken“ zu. Nach Angaben des Moskauer Ökonomen Dmitrij Polevoj werden darunter auch nicht erfasste Geschäfte und verdeckte Kapitalabflüsse zusammengefasst. Dazu zählen unter anderem Gelder, die nicht für Investitionen im Ausland oder Importzahlungen verwendet werden, sowie Exporteinnahmen, die gar nicht nach Russland zurückfließen.

Vasily Astrov vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche sieht in der Entwicklung eine Bestätigung durch den Ausverkauf russischer Aktien und Anleihen. Der frühere Zentralbankvize Oleg Vjugin führt die zunehmenden Abflüsse auf eine allgemeine Nervosität und Sorgen über die nähere Zukunft zurück. Gerüchte über eingefrorene Bankeinlagen oder eine neue Mobilmachung verstärkten demnach den Wunsch, Geld in Sicherheit zu bringen.

Auch wohlhabende und Putin-nahe Russen sollen wieder verstärkt Vermögen ins Ausland verlagern. Bloomberg berichtete laut WELT über Geldtransfers auf die arabische Halbinsel, nach Zypern und nach Afrika sowie über zunehmende Immobilienkäufe in Dubai.

Parallel wächst das russische Budgetdefizit. Nach neuen Schätzungen des Finanzministeriums beträgt es 5,8 Billionen Rubel beziehungsweise 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, während der Jahresplan bei 1,6 Prozent des BIP lag.

Die Zentralbank verkaufte zudem größere Mengen Gold. Nach Angaben des World Gold Council stieß Russland im zweiten Quartal 21,77 Tonnen ab. In den ersten sieben Monaten kamen 49,7 Tonnen zusammen – so viel wie seit dem Rubelcrash 1998 nicht mehr. Die Goldbestände sanken dadurch auf den niedrigsten Stand seit 2020; Gold macht weiterhin 41,5 Prozent der russischen Gold- und Währungsreserven aus.

Ökonom Astrov bezweifelt allerdings, dass Russland das Budgetdefizit bereits aus Mangel an anderen liquiden Vermögenswerten mit Zentralbankgold finanziert. Gleichzeitig exportiert Russland wieder Rekordmengen an Gold über China. Laut der Financial Times wurden in den ersten sieben Monaten 2026 insgesamt 100 Tonnen Goldbarren nach Hongkong ausgeführt, eine Verdreifachung gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025.

Zusammenfassung: Die russische Kapitalflucht erreichte im zweiten Quartal 12,2 Milliarden Dollar und damit den höchsten Wert seit 1994. Gleichzeitig verkaufte die Zentralbank 21,77 Tonnen Gold im zweiten Quartal und 49,7 Tonnen in den ersten sieben Monaten.

Unternehmen bereiten sich erneut auf möglichen Gasmangel vor

In der deutschen Wirtschaft wächst die Sorge vor Engpässen bei der Gasversorgung. Wie ntv.de berichtet, fordert der Gasnetzbetreiber Westnetz große Gaskunden dazu auf, ihre Kontaktdaten für den Krisenfall zu aktualisieren.

In dem Schreiben wird auf eine Verkettung „witterungsbedingter, wirtschaftlicher, politischer und weiterer unvorhersehbarer Faktoren“ verwiesen, durch die Engpässe eintreten könnten. Nach den Versorgungsproblemen infolge des Ukraine-Kriegs waren vergleichbare Schreiben im vergangenen Jahr nicht mehr verschickt worden.

Eine Beraterin erklärte gegenüber dem „Handelsblatt“, viele Unternehmen seien derzeit verunsichert. Energieintensive Großkonzerne äußerten sich dennoch teilweise zuversichtlich. BASF verwies dem Bericht zufolge auf langfristige Lieferverträge, während Covestro bereits ein gewisses Risiko für die Gasversorgung im Winter sieht.

Nach Angaben der Anwältin Yvonne Hanke von der Kanzlei Ritter Gent lassen erstmals seit 2022 wieder Unternehmen sogenannte Schutzschriften erstellen. Darin legen sie dar, weshalb sie im Fall eines Gasmangels auf eine ununterbrochene Gasversorgung angewiesen sind.

Unternehmen könnten im Falle einer Mangellage zunächst von einer Abschaltung betroffen sein. Als Argumente für eine bevorzugte Versorgung werden unter anderem Tätigkeiten für Privatkunden und soziale Einrichtungen oder die Gefahr genannt, dass bei einem Lieferstopp Maschinen beschädigt werden.

Auslöser der Sorgen sind die historisch niedrigen Füllstände der deutschen Gasspeicher. Die Bundesregierung betont dagegen, dass die Versorgung im Winter gesichert sei, und verweist auf kurzfristig verfügbares Flüssigerdgas. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wies Warnungen der Gasspeicher-Lobby sowie Kritik der Opposition zurück.

Der Preis für europäisches Erdgas erreichte am Mittwoch infolge der Eskalation in der Straße von Hormus den höchsten Stand seit Ende 2022. Der Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat stieg in Amsterdam auf 79,11 Euro je Megawattstunde.

Europaweit waren die Gasspeicher zu 67 Prozent gefüllt, während der langjährige Durchschnitt bei 84 Prozent lag. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass LNG-Lieferungen aus Fördergebieten am Persischen Golf dauerhaft blockiert werden könnten.

Stadtwerke befürchten laut Bericht, in diesem Winter wie 2022 Kunden von Billiganbietern übernehmen zu müssen. Damals hatten Discounter Kunden wegen hoher Preise nicht mehr versorgen können. Stadtwerke könnten bei einer zu großen Zahl zusätzlicher Kunden ebenfalls an die Grenzen ihrer Vorsorge gelangen.

Zusammenfassung: Westnetz fragt bei großen Gaskunden erneut Krisenkontakte ab. Der TTF-Preis stieg auf 79,11 Euro je Megawattstunde, während die europäischen Speicher zu 67 Prozent gefüllt waren.

Ukraine greift wirtschaftlich wichtige Infrastruktur in Russland an

Die Ukraine meldet eine neue Welle gezielter Angriffe auf militärisch und wirtschaftlich relevante Objekte in Russland. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj richteten sich die Attacken gegen insgesamt acht Infrastrukturobjekte.

Zu den genannten Zielen gehören eine Ölraffinerie im autonomen Kreis der Jamal-Nenzen sowie der Handelshafen in Machatschkala in Dagestan. Außerdem wurden Anlagen in den Regionen Moskau, Woronesch, Astrachan und Brjansk angegriffen, wie die Frankfurter Rundschau berichtet.

In der Region Woronesch kam es zu zivilen Opfern. Nach Angaben von Gouverneur Alexander Gussew starb in Borissoglebsk eine Frau bei einem ukrainischen Drohnenangriff, zwei weitere Personen wurden verletzt. Die russische Luftabwehr habe über der Region 19 ukrainische Drohnen abgewehrt.

Auch aus Dagestan und Westsibirien wurden Angriffe gemeldet. In Machatschkala verursachten herabstürzende Trümmer nach Angaben des kommissarischen Republikchefs Fjodor Schtschukin Brände in der Hafeninfrastruktur und in einem Theater. Im autonomen Kreis der Jamal-Nenzen bestätigte Gouverneur Dmitri Artjuchow bereits am Vortag ein Feuer in einem Industrieobjekt nach Drohneneinschlägen.

Ukrainische Medien messen dem Angriff auf Machatschkala eine hohe strategische Bedeutung bei. Nach Angaben der „Ukrainska Pravda“ ist der Hafen der einzige ganzjährig eisfreie Tiefwasserhafen Russlands am Kaspischen Meer und ein zentraler Knotenpunkt des Internationalen Nord-Süd-Transportkorridors in Richtung Iran und Indien.

Die getroffene Ölinfrastruktur spielt dem Bericht zufolge eine wichtige Rolle bei der Verladung von Energieressourcen. Zudem sollen die Hafenanlagen als Umschlagplatz für aus dem Iran gelieferte Angriffsdrohnen dienen.

Parallel setzte Russland seine Angriffe auf die Ukraine fort. Nach Angaben des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko traf eine russische Drohne das Gelände einer Ukrnafta-Tankstelle im Kiewer Stadtteil Holossijiwskyj; drei Personen wurden verletzt.

Insgesamt feuerten die russischen Streitkräfte in der Nacht 149 Drohnen gegen die Ukraine ab. Nach ukrainischen Angaben konnte die Luftverteidigung 128 davon abwehren.

Die Angriffe auf Raffinerien, Versandterminals und Logistikzentren belasten laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ strategische Bereiche der russischen Wirtschaft. Nach Angaben des Analysehauses Energy Aspects verarbeitete die russische Raffinerieindustrie im August täglich 3,8 Millionen Barrel Öl, verglichen mit 5,0 Millionen Barrel im Vorjahresmonat.

Wladimir Putin bezifferte die Gesamtschäden durch die Angriffe auf die Wirtschaftsinfrastruktur auf etwa ein Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts, was rund 25 Milliarden US-Dollar entspricht. Zugleich bezeichnete er die Schäden als „nicht kritisch für uns“ und erklärte, die Angriffe würden die militärischen Ziele Russlands nicht verändern.

„Nicht kritisch für uns“ – Wladimir Putin zu den Schäden an Russlands Wirtschaftsinfrastruktur.

Zusammenfassung: Die Ukraine meldete Angriffe auf acht Infrastrukturobjekte, darunter eine Ölraffinerie und den Hafen von Machatschkala. Russland bezifferte die Schäden auf etwa ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts beziehungsweise rund 25 Milliarden US-Dollar.

Krankenkassen drohen Verluste von 1,1 Milliarden Euro

Dutzende Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen haben sich in der Niedrigzinsphase auf riskante Immobilien-Investments eingelassen. Recherchen von SZ.de, NDR und WDR zeigen, dass das Bundesamt für Soziale Sicherung den möglichen Schaden allein für die 58 bundesweit agierenden gesetzlichen Krankenkassen auf 1,1 Milliarden Euro beziffert.

Die Investitionen wurden mit Beitragsgeldern finanziert und sollten offenbar höhere Renditen ermöglichen. Nun zeigen sich bei zahlreichen Geschäften die finanziellen Folgen, nachdem sich die zugrunde liegenden Immobilienprojekte als problematisch erwiesen haben.

Die Bundesregierung legte die Einschätzung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen offen. Die Angaben des Bundesamts für Soziale Sicherung beziehen sich auf die möglichen Verluste der 58 bundesweit agierenden gesetzlichen Krankenkassen.

Die Recherchen nennen außerdem Kassenärztliche Vereinigungen als weitere Beteiligte an solchen Investments. Damit stehen nicht nur Krankenkassen, sondern auch Einrichtungen des Gesundheitswesens im Zusammenhang mit den riskanten Immobiliengeschäften.

Die Verluste betreffen Vermögen, das aus Beiträgen der Versicherten stammt. Die Investitionen wurden in einer Phase getätigt, in der niedrige Zinsen die Suche nach renditestärkeren Anlagen begünstigten.

Betroffene Einrichtungen 58 bundesweit agierende gesetzliche Krankenkassen
Möglicher Schaden 1,1 Milliarden Euro
Weitere beteiligte Einrichtungen Kassenärztliche Vereinigungen

Zusammenfassung: Das Bundesamt für Soziale Sicherung beziffert den möglichen Schaden für 58 gesetzliche Krankenkassen auf 1,1 Milliarden Euro. Die Verluste gehen auf riskante Immobilien-Investments mit Beitragsgeldern zurück.

Potsdam hält trotz Kritik an Verpackungssteuer fest

Die Stadtverwaltung Potsdam hält an der Verpackungssteuer fest. Wie der Tagesspiegel berichtet, kündigte das Rathaus zugleich einen Fördertopf für Mehrwegangebote an.

Der Vorstoß erfolgt trotz Kritik aus der regionalen Wirtschaft. Eine Mehrheit der befragten Unternehmen hatte den Fördertopf zuletzt abgelehnt.

Quellen: