Inhaltsverzeichnis:
Deutsche Wirtschaft zwischen Zuversicht, Konsumzurückhaltung und strukturellem Druck
14 Branchen trotzen der Standortkrise
Die WirtschaftsWoche richtet den Blick auf Bereiche, in denen Deutschland trotz der allgemeinen Krisenstimmung weiterhin stark aufgestellt ist. Als Ausgangspunkt nennt der Bericht Einbeck in Südniedersachsen, eine Stadt mit 31.000 Einwohnern, Fachwerkhäusern, einem Brauhaus und einem mittelständischen Automobilzulieferer.
Einbeck wird dabei als deutscher Durchschnitt und geografischer Mittelpunkt beschrieben. Zugleich hebt die WirtschaftsWoche hervor, dass die Stadt Wachstum aufweist. Der Beitrag stellt damit die Suche nach Wachstum nicht ausschließlich in großen Zentren, sondern auch im deutschen Mittelstand und in regional geprägten Wirtschaftsstandorten dar.
„Wo Deutschland trotz Krisenstimmung ganz vorn mitspielt“
Infobox – WirtschaftsWoche: Einbeck steht im Bericht beispielhaft für einen mittelständisch geprägten Standort mit 31.000 Einwohnern, der trotz der Standortkrise Wachstum aufweist.
Preisdeckel für Grundnahrungsmittel als Mittel gegen wirtschaftliche Unsicherheit
WELT berichtet über den Vorschlag der Ökonomin Isabella Weber, in Krisenzeiten Höchstpreise für Grundnahrungsmittel wie Reis und Öl festzulegen. Zusätzlich fordert Weber staatliche Vorräte in großem Stil, um die Preise stabil zu halten.
Weber grenzt ihren Vorschlag ausdrücklich auf einen Warenkorb von Grundnahrungsmitteln ein. Es gehe ihr nicht darum, die Preise von 97 Kaugummiarten festzulegen. Nach ihrer Vorstellung könnten große Supermarktketten dazu aufgefordert werden, wichtige Lebensmittel zu stabilisierten Preisen anzubieten. Im Gegenzug wären Subventionen und Steuervergünstigungen möglich, wobei die Unternehmen keine Übergewinne erwirtschaften dürften.
Die Ökonomin lehrt an der US-Universität von Massachusetts in Amherst und berät weltweit Parteien und Regierungen. Sie verbindet ihre wirtschaftspolitischen Forderungen mit dem Erstarken rechter Parteien und insbesondere mit der Zustimmung zur AfD.
Deutschland befinde sich nach ihrer Einschätzung in einer multiplen Wirtschafts- und Staatskrise, die zu Orientierungslosigkeit und Zukunftslosigkeit führe. Forschungen seit den 1930er Jahren zeigten laut Weber, dass wirtschaftliche Unsicherheit und Krisen mit einem Zulauf zu rechtsextremen Kräften korrelierten.
„Wir sehen, dass diejenigen, die die AfD wählen, häufig unter finanzieller Unsicherheit leiden.“
Als Gegenmaßnahme fordert Weber einen Staat, der sich konsequent an den Grundbedürfnissen der Menschen orientiert. Dazu zählt sie bezahlbaren Wohnraum, stark verbilligten Nahverkehr und günstige Lebensmittel. Sie bezeichnet diesen Ansatz als „antifaschistische Wirtschaftspolitik“ und fordert eine Abkehr von der neoliberalen Prämisse, es gebe keine Alternative.
Als politische Beispiele nennt Weber die Wahlerfolge von Zohran Mamdani in New York und der linken Spitzenkandidatin Elif Eralp in Berlin. Diese Entwicklungen zeigten aus ihrer Sicht, dass entsprechende Konzepte zumindest in der Theorie von Wählern angenommen würden.
- Höchstpreise für einen Warenkorb von Grundnahrungsmitteln
- Staatliche Vorräte zur Stabilisierung der Preise
- Subventionen und Steuervergünstigungen für Supermarktketten
- Keine Übergewinne der beteiligten Unternehmen
- Bezahlbarer Wohnraum, stark verbilligter Nahverkehr und günstige Lebensmittel
Infobox – WELT: Isabella Weber verbindet Preisstabilität bei Grundnahrungsmitteln mit einer politischen Strategie gegen wirtschaftliche Unsicherheit und den Zulauf zu rechtsextremen Parteien.
Verbraucherstimmung sinkt besonders bei Besserverdienern
Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung trübt sich die Konsumlaune in Deutschland vor allem bei den Besserverdienern ein. Für den deutschen Handel ist das ein Warnsignal, weil einkommensstärkere Haushalte für einen Großteil der Konsumausgaben verantwortlich sind.
Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen veröffentlichte eine detaillierte Auswertung einer Verbraucherumfrage. Demnach sinkt der Konsumklima-Gesamtindikator für Oktober um 3,8 Zähler auf minus 30,6 Punkte.
| Bereich | Entwicklung |
|---|---|
| Konsumklima-Gesamtindikator für Oktober | minus 30,6 Punkte |
| Veränderung des Gesamtindikators | minus 3,8 Zähler |
| 25 Prozent der Haushalte mit den höchsten Einkommen | minus 38,0 Punkte |
| Veränderung bei den 25 Prozent der Haushalte mit den höchsten Einkommen | minus 13,8 |
| Anteil der oberen Einkommenshälfte an den gesamten Konsumausgaben | rund 68 Prozent |
| Umfang der monatlichen Verbraucherumfrage | rund 2000 Verbraucher |
| Zeitraum der aktuellen Erhebung | Anfang bis Mitte September |
Während die Stimmung bei den 25 Prozent der Haushalte mit den höchsten Einkommen deutlich einbricht, bleibt die Verbraucherstimmung in den unteren Einkommensgruppen vergleichsweise stabil. In den oberen Einkommensgruppen stagniert oder sinkt die Anschaffungsneigung, während die Sparneigung zunimmt.
NIM-Forscherin Anja Bauer warnt, dass eine Verschiebung größerer Anschaffungen und eine stärkere Sparneigung die Erholung des Konsums spürbar bremsen könnten. Besonders bei den oberen 25 Prozent beobachte das Institut die Eintrübung bereits seit Beginn des Iran-Kriegs.
Neben der Anschaffungsneigung sinken bei den einkommensstärksten Haushalten auch die Erwartungen an das eigene Einkommen. Bei den unteren Einkommensgruppen geht die Sparneigung hingegen zurück, während die Bereitschaft zu Anschaffungen weitgehend unverändert bleibt.
Die deutsche Wirtschaft entwickelte sich im ersten Halbjahr besser als zunächst erwartet. Deshalb korrigierten die Forschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen für dieses und das kommende Jahr nach oben. Für 2026 veranschlagen sie ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 1,3 Prozent und für 2027 von 1,1 Prozent. Der private Konsum ist laut dem Bericht jedoch noch nicht richtig angesprungen.
„Wenn einkommensstärkere Haushalte größere Anschaffungen aufschieben und stattdessen mehr sparen, könnte das die Konsumerholung spürbar bremsen“
Infobox – SZ.de: Der Konsumklima-Gesamtindikator für Oktober sinkt auf minus 30,6 Punkte. Besonders stark fällt die Stimmung bei den 25 Prozent der Haushalte mit den höchsten Einkommen auf minus 38,0 Punkte; diese Gruppe ist für einen wesentlichen Teil der Konsumausgaben verantwortlich.
Russland erhöht Militärbudget trotz schwächelnder Wirtschaft
Die Frankfurter Rundschau berichtet über Russlands Haushaltsentwurf für 2027 und die Frage, wie der Kreml den Krieg in der Ukraine finanziert. Der Entwurf sieht höhere Verteidigungsausgaben vor, während gleichzeitig das Defizit sinken soll.
Die russische Regierung plant Ausgaben von 48,8 Billionen Rubel, umgerechnet knapp 520 Milliarden Euro. Die Verteilung der Mittel zeigt laut dem Bericht, dass der Kreml den Ukraine-Krieg als länger dauernde Belastung einplant.
| Haushaltsposition | Wert |
|---|---|
| Geplante Gesamtausgaben 2027 | 48,8 Billionen Rubel |
| Geplante Gesamtausgaben 2027 in Euro | knapp 520 Milliarden Euro |
| Verteidigungsausgaben 2027 | 17,1 Billionen Rubel |
| Verteidigungsausgaben 2027 in Euro | 182 Mrd. Euro |
| Anteil der Verteidigung am Gesamtbudget | rund 35 Prozent |
| Veränderung gegenüber dem zuvor verabschiedeten Plan | rund 27 Prozent mehr |
| Voraussichtliche Kriegsausgaben im laufenden Jahr | rund 16 Billionen Rubel |
| Geschätzter Anteil der Wirtschaftsleistung für den Krieg 2027 | zwischen 7,5 und acht Prozent |
| Defizit 2026 | 3,2 Prozent der Wirtschaftsleistung |
| Defizit 2027 | 2,2 Prozent der Wirtschaftsleistung |
Für die Verteidigung sind 17,1 Billionen Rubel beziehungsweise 182 Mrd. Euro vorgesehen. Das entspricht rund 35 Prozent des Gesamtbudgets und liegt laut dem Bericht rund 27 Prozent über dem zuvor verabschiedeten Plan. Reuters zufolge wäre dies der höchste Jahresbetrag seit der Eskalation des Ukraine-Konflikts im Jahr 2022.
Der Ökonom Vasily Astrov vom Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche bezeichnet die geplante Summe gegenüber dem Handelsblatt als keine massive Erhöhung. Zugleich weist er darauf hin, dass es neben dem offiziellen Etat weitere russische Militärausgaben gibt.
Unter Einbeziehung dieser Ausgaben dürfte Russland 2027 zwischen 7,5 und acht Prozent seiner Wirtschaftsleistung in den Krieg stecken. Laut Astrov entspräche dies etwa dem Anteil des vergangenen Jahres.
Der Haushaltsentwurf sieht zugleich vor, das Defizit von 3,2 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2026 auf 2,2 Prozent im Jahr 2027 zu senken. Die angestrebte Konsolidierung steht damit neben einem wachsenden Militärhaushalt. Russland müsste Ausgaben an anderer Stelle verschieben und zusätzliche Einnahmen erschließen.
Geplant ist unter anderem, Kapitalerträge wie Dividenden, Zinsen und Immobilienerlöse künftig progressiv mit bis zu 22 Prozent zu besteuern. Zusätzlich soll es eine Übergewinnsteuer für Metall- und Bergbauunternehmen geben. Neue Abgaben sind außerdem auf kleine Pakete und Onlinekäufe aus dem Ausland vorgesehen.
Reuters berichtet darüber hinaus von Einschnitten bei Sozialleistungen, Bildung und im Gesundheitssystem. Während Unternehmen und Anleger stärker belastet würden, könnten die Bürger die Folgen über knapper finanzierte Angebote im Alltag spüren.
Wladimir Putin räumte in einer Rede Schwierigkeiten ein, verwies aber zugleich auf stabile Kennziffern. Die Inflation habe sich 2026 gegenüber 2025 fast halbiert, während die Zentralbank die Wirtschaft abkühle.
Infobox – Frankfurter Rundschau: Russland plant für 2027 Verteidigungsausgaben von 17,1 Billionen Rubel beziehungsweise 182 Mrd. Euro. Zur Finanzierung sind unter anderem höhere Abgaben auf Kapitalerträge, eine Übergewinnsteuer und neue Abgaben auf kleine Pakete und Onlinekäufe aus dem Ausland vorgesehen.
Gruber Polstermöbel in Sonnefeld wird nicht weitergeführt
Die Neue Presse Coburg berichtet über das endgültige Aus für Gruber Polstermöbel in Sonnefeld. Nach der Insolvenzanmeldung im August gab es Gespräche mit mehreren Interessenten, doch nun besteht keine Perspektive mehr für eine Weiterführung des Betriebs.
Der in vierter Generation geführte Familienbetrieb hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Zunächst war offen, wie es mit dem Unternehmen weitergehen würde. Nach Angaben einer Pressemitteilung des vorläufigen Insolvenzverwalters steht inzwischen fest, dass der Geschäftsbetrieb nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens im November nicht dauerhaft fortgeführt werden kann.
Infobox – Neue Presse Coburg: Gruber Polstermöbel in Sonnefeld hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Nach Gesprächen mit mehreren Interessenten soll der Geschäftsbetrieb nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens im November nicht dauerhaft fortgeführt werden.
Quellen:
- Zukunft der deutschen Wirtschaft: Diese 14 Branchen trotzen der Standortkrise
- Top-Ökonomin fordert Preisdeckel im Supermarkt – und sieht darin ein Mittel gegen die AfD
- Wirtschaft vor acht vom 02.10.2026
- Konsumlaune in Deutschland: Besserverdiener schieben größere Anschaffungen auf - Wirtschaft - SZ.de
- Russlands Wirtschaft taumelt: Putin geht heikle Schritte, um den Ukraine-Krieg zu bezahlen
- Wirtschaft in Sonnefeld: Endgültiges Aus für Gruber Polstermöbel


















