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Wall Street wartet vorsichtig auf die Bilanzsaison
Vor dem Beginn der US-Bilanzsaison haben sich die Anleger an der Wall Street zurückhaltend gezeigt. Der Dow Jones gewann 0,4 Prozent auf 51.851 Punkte, während der Nasdaq 0,4 Prozent auf 27.246 Zähler nachgab. Der S&P 500 schloss kaum verändert bei 7807 Stellen.
Belastet wurde die Stimmung durch anziehende Ölpreise und die unsichere Lage im Nahen Osten. Zusätzlich fehlten Impulse vom Anleihemarkt, weil der US-Rentenmarkt wegen des Feiertags Columbus Day geschlossen blieb. Sorgen bereiteten den Aktienhändlern außerdem die jüngst auf ein 24-Jahres-Hoch gestiegenen Renditen, da höhere Energiepreise die Inflationsängste verstärken.
Im Mittelpunkt steht nun die Berichtssaison, die am Dienstag traditionell mit den großen US-Banken beginnt. Dazu zählen Wells Fargo, Goldman Sachs, Citigroup und JPMorgan. Nach Daten von LSEG IBES wird für den S&P 500 im dritten Quartal ein Gewinnsprung von 30,6 Prozent erwartet.
„Die großen Themen, die es in der Berichtssaison zu beobachten gilt, sind, wie Unternehmen KI einsetzen und davon profitieren“, sagte Clark Bellin von Bellwether Wealth.
Darüber hinaus achten die Anleger darauf, ob Unternehmen ihre Preissetzungsmacht beibehalten oder erhöhen und wie sie mit gestiegenen Kreditkosten umgehen. Im weiteren Wochenverlauf stehen außerdem die US-Verbraucher- und Erzeugerpreise sowie die Einzelhandelsumsätze für September auf der Agenda.
Für zusätzliche Verunsicherung sorgten Aussagen von Beth Hammack, der Chefin der US-Notenbank von Cleveland. Sie sprach sich dafür aus, dass sich die Fed relativ rasch in Richtung einer restriktiveren Geldpolitik bewegt, um die Inflation zu bekämpfen. Händler sahen am Montag eine Wahrscheinlichkeit von knapp 22 Prozent für eine Zinserhöhung in diesem Monat, nach 17,7 Prozent am Freitag.
Auch die Ölpreise stiegen nach Angriffen auf den Flughafen der saudiarabischen Hauptstadt Riad zeitweise auf ein Zwei-Wochen-Hoch. Brent verteuerte sich um 1,3 Prozent und WTI um 1,5 Prozent auf rund 106 und 93 Dollar je Fass. Goldman Sachs hob seine Prognose für den Brent-Preis im Dezember von 85 auf 90 Dollar pro Fass an.
Bei den Einzelwerten legte Microsoft 1,4 Prozent zu. Der geplante groß angelegte Einsatz eigener KI-Chips ließ den Marktwert des Konzerns erstmals seit rund einem Jahr wieder über die Marke von vier Billionen Dollar steigen. Die nächste Generation des Chips Maia 300 soll bei KI-Anwendungen rund 40 Prozent effizienter sein als führende Konkurrenzsysteme; Microsoft könnte im nächsten Jahr möglicherweise mehr als eine Million dieser Chips einsetzen.
Salesforce gewann 2 Prozent, nachdem BofA Global Research die Einstufung von „Underperform“ auf „Buy“ angehoben hatte. Ebay-Aktien stiegen um 2,2 Prozent. Dagegen verlor IonQ 9 Prozent, nachdem das Unternehmen eine bis zu 1,3 Milliarden Dollar schwere Übernahme der Cybersicherheitsfirma Elisity angekündigt hatte.
Chipotle gab 3,8 Prozent nach, nachdem Starbucks erklärt hatte, die Restaurantkette nicht kaufen zu wollen. Starbucks legte dagegen 1,7 Prozent zu. Zusammen hätten die beiden Unternehmen Umsätze von rund 50 Milliarden Dollar im Jahr erzielt.
Infobox – Quelle: ntv.de
- Dow Jones: plus 0,4 Prozent auf 51.851 Punkte
- Nasdaq: minus 0,4 Prozent auf 27.246 Zähler
- S&P 500: kaum verändert bei 7807 Stellen
- Erwarteter Gewinnsprung im S&P 500: 30,6 Prozent
- Brent: rund 106 Dollar je Fass
- WTI: rund 93 Dollar je Fass
Briefporto soll um gut 20 Prozent steigen
Die Bundesnetzagentur will der Deutschen Post zum Jahreswechsel erlauben, die Preise um gut 20 Prozent zu erhöhen. Der Standardbrief dürfte dadurch deutlich mehr als einen Euro kosten. Die Süddeutsche Zeitung bewertet die Erhöhung trotz der Belastung für Verbraucher als sachlich gerechtfertigt.
Der Anstieg folgt auf ein bereits saftiges Plus vom Januar 2025. Aus Sicht des Kommentars ist der Unmut über die höheren Preise zwar verständlich, aber nicht berechtigt, weil der Verursacher der Kosten für die Leistung aufkommen sollte.
Die Zeitung überträgt diese Logik auch auf den Paketversand. Bei Paket-Retouren sollte demnach ebenfalls stärker berücksichtigt werden, wer die Kosten verursacht. Der Beitrag stellt die Portoerhöhung damit in einen größeren Zusammenhang von Versandhandel, Paketdiensten und Rücksendungen.
Infobox – Quelle: SZ.de
- Geplante Portoerhöhung: gut 20 Prozent
- Zeitpunkt: zum Jahreswechsel
- Vorherige Erhöhung: Januar 2025
- Betroffener Versand: Standardbrief
Deutschland braucht bis 2045 sechs Billionen Euro für Klimaneutralität
Deutschland benötigt bis 2045 sechs Billionen Euro, um die angestrebte Klimaneutralität zu erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Staatsbank KfW, über die WELT berichtet. Den größten Teil dieser Summe müssen demnach Unternehmen und private Haushalte aufbringen.
Die erforderlichen Investitionen betreffen damit nicht nur staatliche Vorhaben. Auch die Wirtschaft und private Haushalte werden einen erheblichen Anteil der finanziellen Last tragen müssen, wenn das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 erreicht werden soll.
Infobox – Quelle: WELT
- Erforderliche Summe: sechs Billionen Euro
- Zieljahr: 2045
- Träger der Kosten: Unternehmen und private Haushalte
- Grundlage: Studie der Staatsbank KfW
China erzielt Rekordüberschuss, während der Binnenkonsum schwach bleibt
Chinas Industrie gewinnt weltweit Marktanteile, während die Bevölkerung wenig konsumiert. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, ob die chinesischen Handelsüberschüsse vor allem auf einem manipulierten Wechselkurs oder auf einem Wirtschaftsmodell beruhen, das die Industrie zulasten der Verbraucher begünstigt.
China erreichte 2025 einen Handelsbilanzüberschuss von knapp 1,2 Billionen Dollar. Das geschah trotz zunehmender Handelsbeschränkungen durch die Vereinigten Staaten und die Europäische Union. Das Handelsdefizit der Europäischen Union mit China lag im vergangenen Jahr schätzungsweise bei einer Milliarde Euro am Tag.
Der Internationale Währungsfonds fordert Peking auf, Industriesubventionen zurückzufahren und den privaten Konsum zu stärken. Thomas Helbling, Ko-Autor eines IWF-Berichts und stellvertretender Direktor der Asien-Pazifik-Abteilung, warnt davor, dass ein Wachstum allein über Außenhandelsüberschüsse langfristig nicht nachhaltig sei.
„Wenn China allein durch Außenhandelsüberschüsse wächst, dann ist das längerfristig nicht nachhaltig. Irgendwann kommt das an Grenzen“, sagte Thomas Helbling.
Der IWF hält den Yuan zwar für unterbewertet, sieht eine Aufwertung aber nicht als geeignete alleinige Lösung. Eine stärkere chinesische Währung würde den Export verteuern und den Import verbilligen. Zugleich könnte die billigere Einfuhr die Deflation verschärfen, Gewinne und Investitionen drücken und den Konsum weiter schwächen.
Die Berechnungsmaßstäbe des IWF deuten auf eine Unterbewertung des Yuan um rund 20 Prozent hin. Brad Setser vom Council on Foreign Relations kommt sogar auf eine Unterbewertung von 30 bis 35 Prozent. China weist den Vorwurf zurück, seine Währung künstlich niedrig zu halten, um den Export anzukurbeln.
Eine Analyse des Centre for Economic Policy Research führt Chinas Exportstärke nicht allein auf den Wechselkurs zurück. Der Einbruch des Immobilienmarktes drückt Preise und Kosten, während der technologische Fortschritt die Produktivität der Industrie steigert. Dadurch gewinnen chinesische Hersteller gegenüber ausländischen Konkurrenten an Wettbewerbsfähigkeit, selbst wenn der Yuan gegenüber Dollar und Euro stabil bleibt.
Nach Einschätzung Helblings machen die Industriesubventionen rund vier Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung aus. Diese Mittel müssten nach der Vorstellung des IWF zugunsten sozialer Leistungen zurückgefahren werden. Die hohe Sparquote der chinesischen Haushalte wird auch mit fehlender sozialer Absicherung und den Vermögensverlusten durch die Immobilienkrise erklärt.
Ob Peking den Binnenkonsum tatsächlich stärkt, bleibt offen. Martin Mühleisen, langjähriger Strategiechef des IWF, bezweifelt, dass dieses Ziel für die chinesische Führung hohe Priorität besitzt. Er sieht vielmehr das Bestreben, China zu einer technologisch führenden Weltmacht zu machen.
Infobox – Quelle: FAZ
- Handelsbilanzüberschuss Chinas 2025: knapp 1,2 Billionen Dollar
- EU-Handelsdefizit mit China: schätzungsweise eine Milliarde Euro am Tag
- Unterbewertung des Yuan laut IWF-Berechnungsmaßstäben: rund 20 Prozent
- Unterbewertung laut Brad Setser: 30 bis 35 Prozent
- Industriesubventionen: rund vier Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung
Analoge Behörden bremsen Unternehmen aus
Drei Viertel der Unternehmen in Deutschland sehen die mangelnde Digitalisierung ihrer zuständigen Behörden als internationalen Standortnachteil. Gleichzeitig können nur 2 Prozent mit Ämtern ausschließlich digital kommunizieren. Das geht aus einer Befragung des Branchenverbands Bitkom hervor.
Bei 60 Prozent der Unternehmen bieten die Behörden digitale und analoge Kommunikationswege etwa zu gleichen Teilen an. Ein Drittel kann überwiegend per E-Mail oder Webportal kommunizieren. Für die Bitkom-Erhebung wurden 603 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten telefonisch befragt. Die Befragung fand von Ende August bis Ende September 2026 statt und gilt laut Bitkom als repräsentativ für die Gesamtwirtschaft.
Die größten Probleme liegen nicht ausschließlich in der technischen Ausstattung. Jeweils 57 Prozent der Unternehmen nennen Wartezeiten auf notwendige Termine sowie umfangreiche Dokumentations- und Berichtspflichten als großes Problem. 52 Prozent beklagen lange Bearbeitungszeiten.
Auch bei digitalen Abläufen bestehen deutliche Lücken. 43 Prozent der Unternehmen müssen dieselben Daten wiederholt bereitstellen, 42 Prozent vermissen eine Verbindung zwischen ihrer Software und den Verwaltungsplattformen. Vollständig digitale Verwaltungsleistungen fehlen 39 Prozent. Unter Unternehmen mit mindestens 500 Beschäftigten sind es 56 Prozent. Ein Drittel muss Unterlagen weiterhin auf Papier vorlegen.
62 Prozent der Befragten sehen Bürokratie als Hindernis für die Digitalisierung des eigenen Unternehmens. Den Digitalisierungsstand der Behörden bewerten sie im Durchschnitt mit 3,9. Ein Viertel vergibt die Noten „mangelhaft“ oder „ungenügend“, während 5 Prozent den Stand mit „gut“ bewerten.
Eine klare Mehrheit fordert politisches Handeln: 84 Prozent wollen, dass die Verwaltungsdigitalisierung vorrangig angegangen wird. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst verlangt Verfahren, die ohne den Wechsel zu Papier auskommen. Als mögliche Bausteine nennt der Verband den Deutschland-Stack und die Registermodernisierung.
Von einer European Business Wallet erhofft sich Bitkom, dass Unternehmen sich gegenüber Behörden digital ausweisen und Nachweise sicher hinterlegen können. Außerdem sollen sie dieselben Daten nicht immer wieder neu einreichen müssen.
Infobox – Quelle: heise online
- Unternehmen mit Behörden ausschließlich digital: 2 Prozent
- Unternehmen, die mangelnde Behördendigitalisierung als Standortnachteil sehen: drei Viertel
- Befragte Unternehmen: 603
- Unternehmen mit gleichwertigen digitalen und analogen Wegen: 60 Prozent
- Wartezeiten und Dokumentationspflichten als großes Problem: jeweils 57 Prozent
- Lange Bearbeitungszeiten: 52 Prozent
- Wiederholte Datenbereitstellung: 43 Prozent
- Fehlende Verbindung zwischen Unternehmenssoftware und Verwaltungsplattformen: 42 Prozent
- Fehlende vollständig digitale Verwaltungsleistungen: 39 Prozent
- Forderung nach vorrangiger Verwaltungsdigitalisierung: 84 Prozent
Quellen:
- Inflation und Ölpreis drückt: Wall Street bleibt vor Bilanzsaison auf der Hut
- Briefporto: Der Verursacher zahlt, das ist gut so – ein Kommentar - Wirtschaft - SZ.de
- Wirtschaft vor acht vom 12.10.2026
- KfW-Studie: Die Billionenlast der deutschen Klimaneutralität
- Chinas Industrie wächst, während die Bevölkerung sich nichts leistet
- Bitkom: Analoge Ämter bremsen Wirtschaft aus















